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Hiobsbotschaft für den Berliner Eissport

· Webmanagement
Keine Chance auf Spiele: Die Eishalle PO9 startet wohl erst im November. Foto: Zoonar

Die neue Saison ist noch fern, doch schon jetzt herrscht große Aufregung im Berliner Eissport. Der Grund: Die Eishalle PO9 wird später als üblich ans Netz gehen. Sehr viel später. Und das hat Folgen.

Dem Berliner Eissport drohen zu Saisonbeginn erneut massive Einschnitte im Spiel- und Trainingsbetrieb. Das Bezirksamt Charlottenburg hat gegenüber dem SC Charlottenburg bestätigt, dass die Eishalle Glockenturmstraße (PO9) wegen der Reparatur eines defekten Verdichters nicht wie sonst üblich im August öffnen wird. Stattdessen dürfte das PO9 nach jetzigem Stand erst Anfang November ans Netz gehen.

Für den Berliner Eissport ist diese Verzögerung ein schwerer Schlag. Die Eishalle am Glockenturm spielt in den Planungen des Berliner Eissportverbandes eine Schlüsselrolle. Sie öffnet – abgesehen von den für den Leistungssport vorbehaltenen Paul-Heyse-Stadion und dem Wellblechpalast – normalerweise als erste Eisfläche rund zwei Wochen vor Ende der Berliner Sommerferien und deckt für einige Zeit den kompletten Trainings- und Spielbetrieb fast aller Eissport-Vereine ab, ehe das Erika-Heß-Eisstadion in Wedding ans Netz geht.

Ob und wie die verspätete Inbetriebnahme des PO9 aufgefangen werden kann, ist völlig unklar. Bei dem sich jetzt abzeichnenden Szenario stünde mit dem Erika-Heß-Stadion bis Mitte Oktober lediglich eine Eishalle zur Verfügung – vom Paul-Heyse-Stadion und dem Sportforum abgesehen. Erst dann öffnet das Eisstadion Neukölln und könnte für etwas Entlastung sorgen. Die Außenfläche im PO9, die üblicherweise zur gleichen Zeit ans Netz geht, kann wegen der defekten Verdichter jedoch auch erst im November starten.

Aufgrund der zu befürchtenden erheblichen Einschränkungen hat der Sportclub Charlottenburg – mit seinen Nachwuchsteams der Adler Hauptnutzer des PO9 – den Berliner Eissportverband aufgefordert, den „Eisnotstand“ auszurufen und eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, um über die erforderlichen Maßnahmen zu beraten. Und Eile ist geboten. Aufgrund des Qualifikationsmodus müssen einige Nachwuchsteams schon früh in die Saison starten, und die Spieltermine mit anderen Verbänden abgestimmt werden.

Die Nachwuchsmannschaften genießen bei der Eiszeitenvergabe auch Vorrang gegenüber den Senioren-Teams. Das heißt für die Berliner Landesligisten: Wie schon oft in der Vergangenheit werden sie zur Verschiebemasse und müssen sich mit den Eiszeiten begnügen, die übrig bleiben. Der genaue Saisonstart der Liga ist unter den aktuellen Bedingungen ebenso ungewiss wie der Modus, der gespielt werden kann. Ende Juli ist Meldeschluss für die Liga, erst dann zeigt sich überhaupt, wie viele Mannschaften antreten werden. Eines steht bereits fest: Mit den Preußen Berlin Capitals drängt ein neues Team in die Liga.

Die aktuelle Verzögerung im PO9 reiht sich ein in eine lange Liste von Hallensperrungen, die den Berliner Eissport in jüngster Zeit getroffen haben. In der Saison 2023/24 konnte das Erika-Heß-Stadion ebenfalls wegen der Reparatur mehrerer defekter Verdichter erst verspätet öffnen. Ein Jahr später gab es wegen der Sanierung der Tragwerkskonstruktion eine längere Auszeit. Das Eisstadion Neukölln blieb wegen Reparaturarbeiten sogar für zwei Jahre komplett vom Netz.

Trotz der vielen Betriebsunterbrechungen, die eine unmittelbare Folge der überalterten Sportanlagen sind, und trotz der wachsenden Mitgliederzahl im Berliner Eissport ist kein Ausbau der Kapazitäten in Sicht. Es seien keine neuen Eissporthallen in Planung, hatte die zuständige Senatsverwaltung für Inneres und Sport erst im September vergangenen Jahres auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei im Abgeordnetenhaus erklärt.

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